Pferdefotografie für Anfänger leicht gemacht

…oder vielleicht doch nicht? Diese großen Tiere mit der passenden Brennweite einzufangen ist gar nicht so einfach, wie man vielleicht auf den ersten Blick denkt. Hinzu kommen viele störende Faktoren im Bild.

Denn wann laufen die Pferde mal frei in einem nicht eingezäunten Areal, wo keine Häuser und nur Traum Kulissen zu sehen sind? Du siehst, es ist bei weitem nicht so einfach und es erfordert viel Übung.

Inhaltsverzeichnis

Wie fotografiere ich Pferde richtig?

Ich möchte Dir hier ein paar Tipps geben und Dir an vorher nachher Beispielen zeigen wie Du Pferde richtig fotografieren kannst.

Welche Ausrüstung notwendig ist, was Du bei Deinem Pferde Model beachten solltest und wie Du störende Faktoren ganz einfach mit Photoshop und Lightroom verschwinden lässt, um das Beste aus Deinem Bild heraus zu holen.

Aber fangen wir von vorne und der Reihe nach an.

Dein Einstieg in die Pferdefotografie

Pferde gehören zu den schönsten und elegantesten Tieren auf unserem Planeten! Dies wird jede Pferdenärrin und Reiterin behaupten und auch ich, als Besitzerin solch stolzer Geschöpfe, stimme dieser Aussage zu.

Nun sehen diese herrlichen Tiere aber nicht immer so schön aus, wie auf unzähligen Bildern. Wenn Du allerdings versuchst ein schönes Portrait des Kopfes oder ein Pferd im vollem, ausdrucksstarken Galopp abzulichten, wirken Pferde nicht selten wie dicke Esel oder giraffenartige Wesen. Nichts zu sehen von ihrer majestätischen Schönheit.

Pferde sind nicht wie Hunde, dass man sie zu sich zitieren kann und in der Regel vollführen sie auch keine Kunststückchen auf Kommando. Somit steht da erst einmal ein riesiges Tier, was dreckig ist und die Schnauze eh nur im Gras stecken hat. Der dicke Weidebauch hängt durch, genauso wie der Rücken, der Hals ist unheimlich lang…

Jeder der Pferde auf der Weide beobachtet hat, wird mir zustimmen. Somit ist eine gute und gründliche Vorbereitung Deines Pferde Models unausweichlich. Grasflecken werden ausgewaschen, ggf. sogar das ganze Pferd vorab, die Mähne gebürstet, der Schweif verlesen und der letzte Staub aus dem Fell mit einem leicht feuchten Tuch entfernt.

Informiere Dich vorher über die Rasse und die Rasse typischen Besonderheiten wie langes Fell, Körperbau und Besonderheiten in der Bewegung. Denn Pferd ist nicht gleich Pferd und wirkt je nach Rasse auch auf den Bildern ganz unterschiedlich. Ein schweres Kaltblut wird nie so zierlich und versammelt abzulichten sein, wie ein rassiger Spanier.  Auch das passende Zaumzeug ist entscheidend. Womit wird das Pferd abgelichtet? Welche Besonderheiten erwarten Dich? Englisch, Western oder doch Barock? Auch dieses sollte ordentlich geputzt und sauber sein.

Wenn Du bist jetzt noch nichts mit Pferden zu tun hattest, merkst Du vielleicht, dass Du nicht drum herum kommen wirst Dir einige Fachbegriffe anzueignen, um die wichtigsten Punkte mit den Pferdebesitzern abzusprechen. 

Die Ausrüstung für die Pferdefotografie

Das Wichtigste, neben einem aufmerksamen Model, ist die Ausrüstung. Da Pferde sehr große und langgezogene Tiere sind, ist es meines Erachtens am besten, wenn Du eine Brennweite von mindestens 135mm besser noch 200mm wählst. Damit sind wir dann bereits im Telezoom Bereich, was das Pferd auf dem Bild schon einmal etwas zusammen staucht. Dein Pferd sieht durch diesen optischen Effekt schon etwas eleganter und majestätischer aus.

Ein weiterer Vorteil von einem Telezoom Objektiv ist der Spielraum den man hat, gerade wenn Du draußen auf einer Weide fotografieren möchtest. Du solltest immer eine nicht zu große Weide auswählen, damit Dein Motiv nicht zu weit weg aus Deinem Brennweiten Bereich ist.

Ein Tele Objektiv stellt dazu den Hintergrund noch schön unscharf frei, so dass sich Dein Motiv noch besser vom Hintergrund abhebt. Wenn die Lichtverhältnisse es zulassen, fotografiere ich auf dem kleinsten möglichen Blendenwert. Bei meinem 100-400mm liegt der Wert bei f4,5. Je nach Objektiv kannst Du eine offene Blende von bis zu f2,8 erzielen, was ein perfektes Bokeh zum Vorschein bringt. Aber Vorsicht, dies geschieht nur, wenn Dein Motiv weit genug weg vom Hintergrund ist. Fotografierst Du das Pferd direkt an einer Hecke, bekommst du keinen unscharfen Hintergrund. Hole es dafür, wenn möglich, so weit wie möglich von der Hecke weg. Nur so “verschwimmt” der Hintergrund. 

Wenn Du zwischen einer Vollformat Kamera und einer Cropkamera wählen musst, entscheidest Du Dich am besten immer für die Vollformat. Eine Cropkamera ist zwar meist schneller, aber die Vollformat hat einen besseren Sensor und bietet bessere Bilder. Natürlich ist die Geschwindigkeit des Sensors nicht unerheblich, aber bei einer Cropkamera auf Serienbild-Modus zu stellen und dann bei einem galoppierenden Pferd einfach drauf zu halten, ist nicht entscheidend. Die Qualität der Ergebnisse lassen dabei meist zu Wünschen übrig. Die Vollformat schafft nicht so viele Bilder und löst ggf. auch langsamer aus, aber Du wirst das richtige Timing lernen, wann Du auf den Auslöser drücken musst.

Zeit und Geduld ist in der Pferde Fotografie absolut elementar!

Meine Fotoausrüstung für die Pferde Fotografie

Für tolle Fotos ist der Kamerabody fast genauso wichtig wie das Objektiv das drauf kommt. Ich habe mich nach der Canon Eos 500D, der Eos 70D und der Eos 80D* für die Canon EOS 5D Mark IV entschieden und bin absolut zufrieden

Das ist mein absolutes immer drauf Objektiv. Egal ob für die Pferde Fotografie oder auch meine Reisen. Mit dem großen Brennweiten Bereich passt es immer und liefert dazu noch eine unglaubliche Schärfe ab. 

Wie bekommst Du die Aufmerksamkeit von dem Pferd?

Bevor Du voller Tatendrang gleich mit Deiner Kamera auf das womöglich fremde Pferd zuspringst, lass das Pferd zu Dir kommen. Das Pferd sollte die Möglichkeit bekommen sich an Dich und Deine Ausrüstung zu gewöhnen. Jedes Pferd reagiert unterschiedlich auf eine fremde Person oder einen fremden Gegenstand. Auch ist es meist nicht unbedingt vorteilhaft, ein Pferd in eine völlig fremde Umgebung zu bringen, wenn es zum Beispiel sehr sensibel ist. Pferde sind Fluchttiere und nicht alle sind unerschrockene coole Socken, die nichts interessiert.

Ich selber habe zwei Paradebeispiele im Stall stehen. Mein zehn jähriger Warmblut Wallach hat sogar Angst vor großen Steinen und scheut auch mal aus heiterem Himmel. Dagegen ist mein junger Quarter Horse Hengst total unerschrocken. Der geht nicht nur über Planen, sondern zieht sie sogar hinter sich her. Den bringt absolut nichts aus der Ruhe!

Je nach Rasse, Alter und Charakter der Tiere, solltest Du dem Pferd die Zeit geben, die es braucht. Am besten schließt Du Dich im Vorfeld mit dem/der Besitzer/in kurz, damit Du weißt was Dich erwartet. So kannst Du Deine Shooting Zeit weit aus besser timen. 

Ich habe bei jedem Shooting mindestens eine weitere Person dabei, wenn nicht sogar zwei, um das Pferd oder auch mehrere Aufmerksam zu machen. Wie bekommst Du die Aufmerksamkeit von dem Pferd? Auf einer Weide kannst du Dich entsprechend eines schönen Hintergrundes, mit möglichst wenigen Störfaktoren, positionieren und Deine/n Assistent*in bitten z.B. mit einer Tüte zu rascheln. Das Pferd wird automatisch in die Richtung schauen, woher das Geräusch kommt. Auch ein knalliger Regenschirm der aufgespannt wird eignet sich. Versuche so wenig Reize wie möglich auszusenden, damit das Pferd nicht innerhalb kurzer Zeit abstumpft und nicht mehr reagiert.

Pass aber auf, dass das Pferd keine Angst vor einem Gegenstand oder Geräusch hat, denn ein ängstliches Pferd, dass Panik im Gesicht stehen hat, ist absolut kein schönes Motiv.  Bei meiner “Herde” weiß ich zum Beispiel, wo lang sie galoppieren werden, wenn die Weide aufgemacht wird. Wenn Du dies erfragst oder selber beobachtest, kannst Du Dich entsprechend positionieren. Tolle Motive bekommt man auch durch Besonderheiten, die den Pferden nicht alltäglich zur Verfügung stehen, wie in etwa ein großer Sandhaufen. In solchen Fällen bieten die Pferde ganz von alleine Posen an, da reicht dann ein kurzes Schnalzen und das Pferd schaut in die Kamera.

Wenn ich ein Pferd in der Bewegung fotografieren möchte, nutze ich auch gerne den Herdentrieb der Tiere. Das Pferd wird als erstes zum Koppel Zaun laufen, wo seine Kumpels auf der anderen Seite stehen. Auch kann man mit zwei Helfern und Leckerlies gut ein Pferd von Punkt A nach Punkt B dirigieren und laufen lassen. Pferde sehen dies meist als Spiel und haben den Dreh schnell raus.

Person A ruft das Pferd und belohnt es beim kommen mit einem Leckerli. Danach schickt man das Pferd weg. Zur gleichen Zeit ruft Person B das Pferd. Manche Pferde werden bei dem Spiel im Wechsel so übereifrig, dass sie dazwischen ausschließlich galoppieren. Bei meinen klappt dies gut mit Möhren, die sie auch von weiter weg sehen können. Mit etwas Übung kann jedes Pferd dieses Spiel lernen.

Nimm Dir viel Zeit die Tiere zu beobachten, lerne ihre Besonderheiten kennen, dann kommt ein schönes Motiv von ganz alleine. Pferde sind wie Menschen, um so öfter man mit ihnen zusammen arbeitet, um so vertrauter wird der Umgang und feiner die Kommunikation mit Pferd und Reiter.

Nachbearbeitung in Photoshop und Lightroom

Pferdefotografie Nachbearbeitung vorher
Pferdefotografie Nachbearbeitung nachher

Hier sieht man ganz deutlich, was mit Lightroom und Photoshop möglich ist. Dieses Bild war mehr ein Schnappschuss von einem Nachzügler, wo ich nicht perfekt positioniert war. Es eignet sich aber hervorragend um zu zeigen, was in der Foto Bearbeitung möglich ist.

Gerade bei schnellen Bewegungen der Motive versuche ich mindestens auf einer 250/Sekunde zu fotografieren, um das Motiv möglichst scharf einzufrieren. Wenn das Licht es zu lässt, gerne mit noch einer schnelleren Verschlusszeit. So vermeidest Du Bewegungsunschärfen. Ebenso ziehe ich mit meinem Motiv mit. Bei meinem 100-400mm Objektiv habe ich zum Glück die Möglichkeit einen normalen, einen horizontalen oder vertikalen Bildstabilisator einzustellen. Für schnell bewegende Tiere wie Pferde und auch Vögel absolut genial.

Kommen wir zur Nachbearbeitung

Ich öffne meine Bilder immer erst in Lightroom, passe dort den Bildausschnitt proportional an, korrigiere ggf. die Belichtung und auf jeden Fall die Chromatische Aberration. Gerne verwende ich “Dunst entfernen”, drehe die Lichter etwas runter, um ein wenig mehr Leben ins Bild zu bekommen. Probier einfach mal aus und schaue was Dir am besten gefällt. 

Danach öffne ich das Bild aus Lightroom raus in Photoshop. Füge eine neue Ebene hinzu und entferne mit dem Bereichs Reparatur Pinsel den Zaun. Dazu vergrößere ich das Bild meist auf über 100% um Pixel genau zu arbeiten.

Ist der Zaun weg, nutze ich noch ganz sparsam den Weichzeichner in diesem Areal, aber pass auf, dass Du in der gleichen Tiefe des Bildes bleibst. Noch ein paar Fliegen, Bisswunden, Narben oder sonstige Unschönheiten entfernt, Augen und Mähne dezent nachgeschärft und fertig ist die schnelle Bearbeitung. Für das ganze Bild habe ich keine 15 Minuten gebraucht.

Retusche in der Pferde Fotografie

Natürlich sollte man immer versuchen so zu fotografieren, dass möglichst viele Pixel erhalten bleiben und möglichst wenig Nachbearbeitung notwendig ist. Durch die richtige Position des Motives kannst Du Dir sehr viel Retusche in der Pferde Fotografie schenken. Doch manchmal ragt halt die Hand ins Bild, die gerade die Möhre hält… Ebenso ist es aus Sicherheitsgründen gerade in öffentlichen Bereichen absolut notwendig das Pferd am Strick zu halten. Dieser lässt sich ebenso schnell und einfach weg retuschieren.

Retuschiere aber nie z.B. Zügelweg, wenn ein Reiter drauf ist oder etwas das zum Sattel gehört. In erster Linie sollte es Dir Spaß machen, diese magischen Geschöpfe zu fotografieren. Sei geduldig und nehme Dir viel Zeit, denn nur dann wirst Du es schaffen ein ausdrucksstarkes Pferd abzulichten. Manchmal kommen auch witzige Sachen dabei raus, die so sicher nicht geplant waren. Genieße den Augenblick mit der Sonne im Rücken

Crativ Cloude von Adobe

Nachdem mir die “normalen” Bildbearbeitungsprogramme nicht komplett meine Wünsche erfüllt haben, habe ich mich für die Creative Cloude von Adobe entschieden.

Wenn Du auch regelmäßig viele Fotos bearbeiten möchtest, dann lege ich es Dir sehr ans Herz. Natürlich hat sie seinen Preis im Jahres Abo, aber mit rund 10,-€ im Monat hast Du immer die aktuellen Versionen von Photoshop, Lightroom, Camera Raw und Bridge.

Du benötigst eine Kamera und am besten ein Objektiv mit einer Brennweite von mindestens 135mm besser noch 200mm. Ein Tele Objektiv stellt den Hintergrund schön unscharf frei.

Natürlich kannst du Pferde alleine auf einer Weide fotografieren, aber leichter ist es, wenn dir eine oder mehrere Personen helfen. Diese können das Pferd halten, in Position drehen oder aufmerksam machen.

Sprich dich mit den Besitzern des Pferdes ab und schaue welchen Charakter dieses Tier hat. Nun kannst du es mit einer raschelnden Tüte aufmerksam machen oder auch ein knalliger Regenschirm der aufgespannt wird eignet sich.

Pferdefotografie von Wiebke Haas habe ich selber mal geschenkt bekommen. Es ist ein tolles Buch um den Einstieg in diese Thematik zu finden. 

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar welche Erfahrungen du in der Pferdefotografie gemacht hast!

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